‚Swiss Made‘: Was bedeutet das eigentlich?

12.05.2016

Qualität. Genauigkeit. Innovation. Zuverlässigkeit. Nur wenige Dinge drücken diese ausgezeichneten Merkmale besser aus als die Worte ‚Swiss Made‘. Diese zwei einfachen Worte mit je einer Silbe verkörpern die Schweiz und sind ein Ausdruck des Schweizer Stolzes. Dieser Stolz ist wohlverdient, wie jeder, der jemals eine Schweizer Armbanduhr besessen hat, bezeugen kann. Und es gibt keine Schweizer Branche, die die wahre Bedeutung der Bezeichnung ‚Swiss Made‘ besser vertritt, als die altehrwürdige und renommierte Uhrmacherindustrie.

Die Schweiz ist bekannt dafür, der Mittelpunkt, sozusagen das Herz und die Seele, der feinen Kunst der Uhrmacherbranche zu sein. Das ist nicht weiter verwunderlich, da die Schweiz für ihre Arbeitsmoral und für ihre Gründlichkeit angesehen ist und die Fähigkeit besitzt, perfekte Produkte in unvergleichlicher Qualität, Sorgfalt, Verlässlichkeit und Strapazierfähigkeit zu fertigen. Heute nimmt die Schweiz eine führende Rolle in der weltweiten Luxus-Uhrenindustrie ein. Es ist kaum zu glauben, dass so ein kleines Land wie die Schweiz, mit gerade einmal 8 Millionen Einwohnern, 50 Prozent der weltweit hergestellten Uhren produziert.

Die Schweizer sind zu Recht berühmt dafür, dass alles, was sie tun, von höchster Qualität ist und mit herausragender Liebe zum Detail erarbeitet wird. Das ist eine nationale Besonderheit, die ihnen zu Gute gekommen ist und die den Herausforderungen der Zeit standgehalten und sich im Laufe der Jahre bewährt hat. Aus diesem Grund werden Uhren mit der ‚Swiss Made‘-Bezeichnung weltweit angesehen und geschätzt. Das ist die Macht der Marke Schweiz. Dies ist der Fall, weil Schweizer Uhren in ihrer Technik und Innovation, erstklassiger Qualität und ihrem unvergleichlichem ästhetischen Design bekanntlich von keiner anderen übertroffen werden.

Deshalb haben die zwei Worte ‚Swiss Made‘ so einen großen Eigenwert

‚Swiss Made‘ ist nicht so einfach

Ein Produkt als ‚Swiss Made‘ auszuweisen ist jedoch nicht so einfach. Der Pförtner und Wächter der Schweizer Uhrenindustrie ist der Schweizer Verband der Uhrenindustrie FH (Fédération de l’industrie horlogère suisse). Der Verband selber äußerte sich folgendermaßen zu dem Schutz der Unversehrtheit der Swiss Made Marke: „Der Schutz ist in erster Linie wichtig, weil die ‚Swiss Made‘-Marke weltweit die einzige Referenz der Uhrmacherei ist, aber auch, weil die Zufriedenheit unserer Kunden auf dem Spiel steht.“ Die FH verteidigt die Bezeichnungen ‚Swiss Made‘ und ‚Swiss‘ energisch, was erkärt, warum sie als Gütezeichen in den Vereinigten Staaten und in Hong Kong aufgenommen wurden.

Die Schweizer haben hart dafür gearbeitet, um die Unversehrtheit ihrer Uhrmacherei zu schützen. Im Jahre 1971 wurde eine Verordnung bezüglich der Bezeichnung ‚Switzerland‘ oder ‚Swiss‘ für Uhren erlassen. Laut dem ersten Artikel dieser Verordnung muss eine Uhr folgende Voraussetzungen erfüllen, um die Bezeichnung ‚Swiss‘ tragen zu dürfen:

  1. Sie muss ein Schweizer Uhrwerk besitzen
  2. das Uhrwerk wird in der Schweiz in das Gehäuse montiert
  3. der Hersteller führt die Endkontrolle in der Schweiz durch

Daher sollten folgende Unterschiede beachtet werden:

‚Schweizer Uhrwerk‘ = ein Schweizer Uhrwerk wird verwendet.

‚Swiss Parts‘ = nur Teile der Uhr oder des Uhrwerkes sind schweizerischen Uhrsprungs

‚Swiss Made‘ = sowohl das Uhrwerk als auch die Uhr stammen komplett aus der Schweiz.

Deshalb sind ‚Schweizer Uhrwerk‘ und ‚Swiss Made‘ nicht dasselbe. Es ist essentiell, diese beiden Begriffe auseinander zu halten.

Die FH bestimmt und überwacht außerdem die Kennzeichnung des Herstellers SIP (Sign of identification of the producer), einer verpflichtende Kennzeichnung, die in der Verordung von 1971 zum Schutz der Marke festgesetzt wurde. Mithilfe der SIP kann die FH die Verwendung der Worte ‚Swiss Made‘ und ‚Swiss‘ kontrollieren und somit Fälschungen bekämpfen.

An dieser Stelle bleibt anzumerken, dass die Uhrmacherei der einzige ausschließlich Schweizer Industriezweig ist, in der es eine solche Verordnung bezüglich der Bennenung ‚Swiss Made‘ gibt.

Dennoch waren viele Menschen in der Schweizer Uhrenindustrie der Meinung, dass dies noch nicht ausreichend sei, um die Marke und Bezeichnung ‚Swiss Made‘ zu schützen.

Swissness wird verstärkt

Wissenschaftler der St Gallen Universität fanden in Studien heraus, dass die Bezeichnung ‚Swiss Made‘ oder das Schweizerkreuz bis zu 20 Prozent der Verbraucherpreise für nicht nur typische Produkte, wie Schmuck, Armbanduhren, Käse und Schokolade, sondern auch Industrieprodukte, von Maschinen bis zu Taschenmessern, ausmachen.

Es ist nicht verwunderlich, dass die Hersteller von Luxus-Markenuhren in der Schweiz um die Durchführbarkeit und die weltweite Anerkennung der ‚Swiss Made‘-Marke besorgt waren, da sich immer mehr Unmut über bestimmte Uhrmacher breit machte, die die 1971 festgelegten Vorschriften umgingen und billigere Einzelteile (von niedrigerer Qualität) aus Fernost einbauten und ihre Uhren trotzdem als ‚Swiss‘ ausweisen durften.

Im Jahre 2007 verlangte die Mehrheit der Schweizer Uhrmacher nach Veränderungen der Kriterien, um die Bezeichnung ‚Swiss Made‘ tragen zu dürfen. Es gab eine Initiative für strengere Bezeichnungsregeln, die für die ‚Swiss Made‘-Marke drei große Ziele vorsah:

  1. Die Glaubwürdigkeit und den Wert der Marke auf Dauer gewährleisten.
  2. Die Zufriedenheit der Kunden sicherstellen, die beim Kauf einer Schweizer Uhr erwarten, dass sie in der Schweiz gefertigt wurde und einen hohen Mehrwert durch den Schweizerischen Ursprung hat.
  3. Das Gesetz konkretisieren, um Missbrauch zu unterbinden.

Dies hatte in der Schweiz eine hitzige Debatte um die ‚Swissness‘ zur Folge. Im September 2015 stimmte der Schweizer Bundesrat schließlich der ‚Swissness‘-Gesetzgebung zu, die seit Juni 2013 auf der Tagesordnung stand. Mithilfe dieses Gesetzes werden die Regeln zur Verwendung der Bezeichnung ‚Made in Switzerland‘ und für das berühmte Schweizerkreuz verschärft.

Dieses bahnbrechende ‚Swiss Gesetz‘ tritt am 1. Januar 2017 in Kraft.

Ab 2017 dürfen Industriegüter nur noch dann das Siegel ‚Made in Switzerland‘ tragen, wenn mindestens 60 Prozent der Produktionskosten in diesem Land ausgeführt wurden.

Um die Bezeichnung ‚Swiss Made‘ zu tragen, muss eine Uhr dann mindestens 60 Prozent Schweizer Wert in sich tragen. Für 2017 und die darauf folgenden Jahre wird ein sprunghafter Anstieg von Schweizer Bauteilen in Schweizer Uhren erwartet.

Doch die Schweizer Uhrenindustrie verlangt sogar noch mehr. Aus diesem Grund prüft der Schweizer Bundesrat ebenfalls einen von der FH eingereichten Vorschlag, um die Regeln in Bezug auf die Verwendung des Wortes ‚Swiss‘ durch die Uhrenmarken noch weiter zu verschärfen. Die FH gibt sich nicht damit zufrieden, dass nur 60 Prozent der Produktionskosten in dem Land anfallen sollen, sondern fordert, dass die technische Entwicklung der Uhr und des Uhrwerkes ebenfalls in der Schweiz stattfinden muss, um die Bezeichnung ‚Swiss‘ tragen zu dürfen.

Selbstverständlich sehen die FH und die Schweizer Luxus-Uhrmacher die Glaubwürdigkeit der Schweiz und der Schweizer Uhrmachereri auf dem Weltmarkt in Gefahr.

Würde denn jemand auch etwas geringeres von dem Qualitätssigel ‚Swiss Made‘ erwarten?